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In den letzten Jahren sind Elstern vermehrt ins Siedlungsgebiet eingewandert, wo wir sie tagtäglich sehen und deshalb den Eindruck einer stark erhöhten Menge haben. Der gesamte Bestand in der Schweiz ist aber nur leicht angestiegen.
Tatsächlich sind Elstern Allesfresser: Sie verspeisen Insekten und Pflanzenteile wie Getreidekörner oder Eicheln. Daneben fressen sie Mäuse, Jungvögel, Eier und Abfall. Während der Brutzeit nimmt der Anteil an tierischer Nahrung zu. Aber auch dann machen Eier und Jungvögel anderer Arten nur etwa 2-3% der Nahrung aus. Besonders gefährdet sind Nester von Freibrütern wie z.B. der Amsel. In Belgien hat eine Studie ergeben, dass Elstern jedes vierte Freibrüternest ausraubten. Singvögel brüten aber in der Regel mindestens 2 Mal pro Jahr. Verlieren sie ein Gelege, gleichen sie den Verlust durch ein Ersatzgelege aus. Damit sind sie oft erfolgreich, weil im Frühsommer der Elsterdruck nachlässt, denn diese müssen ihre eigenen Jungen nicht mehr verpflegen . Dass die Elster am Verschwinden von Singvögeln schuld sei, konnte durch eine Studie aus Osnabrück widerlegt werden: Im gleichen Zeitraum von 7 Jahren. in dem die Elsternpopulation stark zunahm, vergrösserte sich der Brutbestand von17 Kleinvogelarten um durchschnittlich 30%, also fast einen Drittel. Sogar die Amseldichte nahm dort um die Hälfte zu. Die Vogelwarte Sempach doppelt nach: “Wir kennen in der Schweiz kein Wohnquartier, aus welchem eine Vogelart wegen den Elstern verschwunden wäre.” Der Einzug der Elstern in die Wohnquartiere hat also keinen nachweisbaren Zusammenhang auf den Bestand von Singvögeln. Zudem werden in Städten und Vorstädten viel mehr Singvögel durch Hauskatzen getötet als durch Elstern. Wenn schon eine andere Tierart Vogelbestände beeinflusst, dann ist es die Hauskatze. Für die Zunahme der Elster im Siedlungsraum nennt die Vogelwarte die folgenden Vermutungen: - weniger Feinde (z.B. Habicht) im Stadtbereich - geringe Bejagung durch den Menschen - "Flucht" aus der ausgeräumten Kulturlandschaft - Fähigkeit zur raschen Gewöhnung an veränderte Umweltbedingungen - ganzjährig ein gedeckter Tisch (Komposthaufen) Es ist zu vermuten, dass die Elsterdichte in den Siedlungen noch weiter zunimmt. Das allerdings heisst nicht unbedingt, dass auch mehr Junge aufgezogen werden. Elstern sind Territorialvögel, die ihr Revier gegen Artgenossen verteidigen. Bei höherer Dichte stören sich die Elstern gegenseitig, auch unverpaarte Elstergruppen erhöhen den Druck auf die brütenden Paare. Das führt dazu, dass weniger Junge erfolgreich aufgezogen werden können. Diesen Selbstregulierungsmechanismus kennt man z.B. auch von den Rabenkrähen.
Marcel Ruppen |
| Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 27. Januar 2012 um 17:26 Uhr |




